Thomas Mann: Doktor Faustus


"Den Gedanken der fiktiven Romanbiographie eines Komponisten als modene Variante der alten Faust-Sage fixierte Thomans Mann bereits 1904 in einem Notizbuch: "Figur des syphilitischen Künstlers: als Dr. Faust und dem Teufel Verschriebener. Das gift wirkt als Rausch, Stimulans, Inspiration; er darf in entzückter Begeisterung geniale, wunderbare Werke schaffen, der Teufel führt ihm die Hand. Schließlich holt ihn der Teufel: Paralyse." Nahezu vierzig Jahre später, im amerikanischen Exil, am 23. Mai 1943, wie er in "Die Entstehung des Doktor Faustus" berichtet, begann er schließlich mit der Niederschrift - zu einem Zeitpunkt also, als Europa im Krieg lag und sein literarisches Vorhaben dem Lebensgefühl allgemein entsprach: "schwer, düster, unheimlich, traurig". Der zeitliche Rahmen des Romans umgrenzt die Jahre 1884 bis 1945, Thomas Manns eigene Epoche; so schrieb er mit "Doktor Fautus" "eine sonderbare Art von übertragener Autobiographie" in einer "Montage-Technik, erregend und aus der Erregung kommend", die die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs und der endgültige Zusammenbruch Deutschlands hervorriefen."

(Text entnommen aus dem oben genannten Buch vom Fischer Taschenbuch Verlag)
 

"Der Held des Romans, Leverkühn, ist ein außerordentlich stolzer, kühler und kluger Geist, zu klug eigentlich für die Kunst, der aber dennoch von Drang nach dem Kreativen erfüllt ist und dazu Enthemmungen braucht, die ihm in dem ideellen Rahmen des Buches nur der Böse verschaffen kann. Mit seinem Sündenfall ist auch - gewissermaßen - auf der politischen Ebene des Buches auf die faschistische Intoxikation der Völker angespielt."

(Thomas Mann an Albert Oppenheimer 12.2.1949)