Felix Krull ist der Sohn eines bankrotten Sektfabrikanten aus dem Rheingau,
er zeigt schon in seiner Jugend eine
Neigung zu übertriebener Selbstdarstellung und Selbstüberschätzung.
Nach dem Selbstmord des Vaters ist er dazu gezwungen,
seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben. Seine Fähigkeit zum
Spiel und zur Selbstinszenierung bewahrt Felix durch einen
vorgetäuschten Epilepsie-Anfall vor dem Wehrdienst; schließlich
geht er nach Paris, um dort in einem großen Hotel in
unterschiedlichen Positionen zu arbeiten. Eine Wende bringt sein Identitäts-Tausch
mit dem Marquis de Venosta. Ausgestattet
mit dessen Papieren und Vermögen unternimmt er eine Reise, die
eine Weltreise werden sollte und die in mancher Hinsicht
zugleich wie eine Bildungsreise erscheint. Auf Reisen macht er die
Bekanntschaft des Paläontologen Professor Kuckuck,
dessen Familie er in Lissabon kennenlernt. Seine angenommene Identität
verschafft ihm Zutritt zur Adelsgesellschaft, sogar eine
Audienz beim portugiesischen König. Am Ende des Textes steht er
nicht nur in einer Liebesbeziehung zur Tochter des
Professor Kuckuck, auch dessen Frau scheint seine Liebe zu erwidern.
In Lissabon bricht das Fragment des Romans ab, die
Vorstudien lassen erkennen, dass eine Fortsetzung der Reise geplant
war. Außerdem sollte die Fortsetzung des Romans den
Helden ins Zuchthaus führen, aus dem er jedoch offensichtlich
wenig geläutert wieder entlassen worden wäre.
© Anton Geist