Bert Brecht: Der kaukasische Kreidekreis


Ein Sänger erzählt von der Stadt Nukha in Grusinien (dem heutigen Georgien). Dort erfährt man gerade, daß der Krieg in
Persien hoffnungslos verloren ist und das schon ein Angriff auf Nukha erfolgt. Auch die Palastwache meutert. Die
Gouverneursfrau, Natella Abaschwili, bereitet mit ihren Dienern eine Flucht vor - der Gouverneur selbst wurde bereits getötet.
Sie kümmert sich dabei jedoch nur um ihre Kleider und Juwelen und vergißt in der Eile des Aufbruchs ihren Sohn Michael.
Grusche Vachnadze, eine Dienstbotin, findet den Säugling und nimmt sich seiner an, obwohl dieser durch den Tod des Vaters
nun rechtmäßiger Erbe des Reiches ist und deshalb von den Feinden gesucht wird. Bevor sie mit ihm aus der Stadt flieht,
verlobt sie sich mir dem Soldaten Simon Chachava, der nun auch in den Krieg hineingezogen wird und kämpfen muß.
Auf ihrer Flucht nimmt sie viele Mühen und Strapazen auf sich, sodaß es Michael an nichts fehlt: Sie kauft Milch, kümmert sich
um eine Bleibe in der Nacht und versteckt ihn vor feindlichen Soldaten. Nach einiger Zeit erreicht sie, schon krank und
schwach, des Hof ihres Bruders Lavrenti Vachnadze, wo sie sich langsam erholt und längere Zeit bleibt. Um dem Kind eine
Tarnung zu verschaffen, heiratet sie einen sterbenden Bauer, der jedoch wider Erwarten rasch gesund wird. Er verhält sich
tyrannisch, doch Grusche muß, gebunden durch die Ehe, bei ihm bleiben. Eines Tages trifft sie Simon, ihren Verlobten, doch als
dieser von Ehemann und Kind erfährt, verschwindet er wieder, ohne daß Grusche Zeit findet, ihm alles zu erklären. Gleichzeitig
bringen Soldaten Michael weg, die um seine wahre Identität Bescheid wissen. Grusche wird zu einem Gericht gebracht, wo sie
erfährt, dass der Angriff der Perser doch noch abgewehrt wurde und sie von Natella Abaschwili, der Gouverneursfrau, der
Entführung Michaels, angeklagt wurde. Während des Prozesses gelingt es dem Richter Azdak nicht, Klarheit über die wahre
Mutter Michaels zu erlangen. Er beschließt, die berühmte Probe mit dem Kreidekreis durchzuführen: Die Kontrahenten stellen
sich in den Kreis und ergreifen je eine Hand des Kindes. Die richtige Mutter soll dabei die Kraft haben, das Kind
herauszuziehen. Natella Abaschwili geht als Siegerin hervor, da Grusche Michael nicht verletzen will und ihn losläßt. Daraufhin
wird er ihr zugesprochen, da Azdak nur ihr mütterliche Liebe zuerkennt.
Schließlich wird Grusche noch von ihrem Ehemann geschieden und sie versöhnt sich wieder mit Simon, der inzwischen die
ganze Wahrheit erfahren hat.

 © Nikolaus Brennig