Oscar Wilde: Teleny


Das Werk, welches am meisten von allen Herausgebern der werke Wildes übergangen wurde, ist der erst anonym erschienene homoerotische Roman "Teleny". In diesem Roman erzählt die Figur Camille über seine Liebe zu den Musiker Teleny, welche schließlich, wie auch später dem Autor selbst ergangen, an den gesellschaftlichen Repressalien zerbricht.

Der Roman ist nicht nur eine homoerotische Geschichte, sondern auch eine Anklage des Autors an das viktorianische Zeitalter: "Ich verfluchte diese unsere schöne Welt - dieses Paradies, das der Mensch in eine Hölle verwandelt hat. Ich verfluchte diese unsere engstirnige Gesellschaft, die nur auf dem Boden der Heuchelei gedeiht. Ich verfluchte unsere verderbliche Religion, die bei jeder Sinnenlust ihr Veto einlegt."

"Als tragisches Satyrspiel zu Oscar Wildes intimer Tragödie, als pornographisch-literarisches Zeitbild aus dem spätviktorianischen England (denn nirgendwo anders könnte "Teleny" spielen, obwohl ein späterer Editor die Handlung nach Frankreich verlegte) und als schmerzliche, aber nie larmoyante Protestschrift einer sexuellen Minorität, der die doppelte Moral der Gesellschaft ihr Anderssein wie ein Laster ankreidet, auch wenn sie es offiziell duldet - als literarisches Kuriosum und als kulturgeschichtliche Delikatesse ist dieser "Teleny" für deutsche Leser eine Entdeckung. Ein Text auch, der Leser, die sich mit dem Stoff nicht befreunden, zur Überprüfung schlimmer Vorurteile zwingt." (K. H. Kramberg, Süddeutsche Zeitung)