Glaube und Wissen

(von Norbert Rohde)

Jeder Gottesglaube ist ein leichtfüßiger Ersatz für ein arbeitsaufwendig erworbenes Wissen. Ernstzunehmende Wissenschaftler bemühen sich, ein für jedermann akzeptables Bild von dieser unserer Welt zu gewinnen. Sie versuchen, uns ein objektiv-sachkundiges Bild zu vermitteln, das sich von den theologisch-subjektiven Fiktionen grundlegend unterscheidet. Um glaubwürdig zu bleiben, müssen die Naturwissenschaftler (im Gegensatz zu Theologen) ihr Basiswissen fortlaufend auf seine Noch-Gültigkeit hin überprüfen und immer wieder hinterfragen und neu formulieren, weil die Anzahl der  vielschichtig erworbenen Erkenntnisse mit den neuen Forschungsergebnissen rasant zunimmt. Die (darwinsche) Evolution spiegelt sich auch in der Evolution unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse wieder. Sie ist vergleichbar mit dem Wachsen eines Baumes, dessen Wurzel- und Astwerk sich alljährlich um ein Vielfaches erweitert. Die Verästelungen werden immer zahlreicher und mit ihnen die Fragen, die es zu lösen gibt. Unser Erkenntnisbaum dehnt sich rasant aus. Was noch vor 100 Jahren im Zeitraum von einem Jahr erforscht werden konnte, wird heute in einer Woche erarbeitet und morgen an einem Tag. War das biblische Bild von der Erde als Scheibe mit dem Himmelsgewölbe über 10 000 Jahre gültig, so werden sich viele heutige naturwissenschaftliche Hypothesen keine 20 Jahre halten können. Seltsamerweise halten sich aber irrationale Glaubensthesen bei Menschen, denen die Aneignung von wissenschaftlichen Erkenntnissen Schwierigkeiten bereitet, recht lange. Es wird allerdings bei der Fülle der zu erwartenden neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse immer schwieriger, einen Gesamtüberblick über den jeweiligen Stand useres fundierten Wissens zu erhalten. Dieser Umstand ruft fatalerweise wieder neue Rasputine, Glaubensverkünder und Propheten auf den Plan, die mit der Unwissenheit und Leichtgläubigkeit ihrer Anhänger ihre profitablen Geschäfte machen . Der wahre Kern religiöser, weltanschaulicher oder wissenschaftlicher Hypothesen wird sich aber im Endeffekt stets an seinen guten oder schlechten Endergebnissen (Früchten) messen lassen. Jede Wahrheit oder Unwahrheit, jede Richtigkeit oder Unrichtigkeit wird an ihren positiven oder negativen Auswirkungen offenbar. Die naturgegebene Evolution und Selektion scheidet auch hier stets die Spreu vom Weizen.

Unsere fünf Sinne sind unser menschliches „Tor zur Welt“. Unsere Art zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen ermöglicht unsere menschengerechte (artspezifische) Lebensweise. Da sich die Bibelgläubigen aber zum Maßstab für die ganze Welt machen („Machet euch die Erde untertan, da ihr Ebenbilder Gottes seid“), verbauen sie sich den objektiv-richtigen Blick zum Rest der Welt. Der Trugschluss, von sich selbst auf andere zu schließen, von der eigenen Denk- und Lebensweise Rückschlüsse auf die Denk- und Lebensweise anderer Lebewesenarten zu ziehen, hat uns in die Irre geführt. Der Mensch – mit seinem hausgemachten Menschengott JAHWE – als „Maß aller Dinge“ ist in einer Sackgasse gelandet, aus der ihn nur verantwortungsbewusste Wissenschaftler herausführen können.....und nicht (immer wieder neue) Propheten, Gurus und  Prediger. Von den 20 oder 30 Millionen unterschiedlichsten Lebewesenarten dieser Erde hat jede einzelne ihr eigenes, artspezifisches Instrumentarium von Sinnesorganen, mit dem sie ihren naturgegebenen „Kampf uns Dasein“ bewältigen kann. Ist dieses Instrumentarium ungeeignet, um den Fortbestand seiner Art zu gewährleisten, so wird es kurz über lang zugrunde gehen. Allem Anschein nach wird auch das Menschengeschlecht zu den Verlierern gehören. Es sei denn, unsere Wissenschaftler finden einen Weg, wie die Evolution des Menschengeschlechts in eine günstigere Bahn gelenkt werden könnte.

Unsere (menschenspezifischen) fünf Sinne, als unser Tor zur Welt, zeigen uns nicht die wahre Natur unserer Umwelt, sondern nur das Spiegelbild einer Welt, wie es in unserem Gehirn mosaikartig zusammengesetzt wird. Beispielsweise registrieren unsere Augen nur die Wirkung von Energien, die von der Außenwelt über unsere Augen ins Gehirn gelangen. Diese Energien gehen von einer Vielzahl   äußerer Atomen aus, die auf die atomare Struktur unserer Sinnesorgane einwirken. Wir registrieren also nur das energetische Wechselspiel zwischen den Atomen und Molekülen in und außer uns. Hätten wir Sinnesorgane, welche die reale Natur der Atome erkennen könnten, so würden wir vermutlich nur eine Fülle winziger Pünktchen wahrnehmen, die wir als Quelle der atomaren Energien registrieren könnten. Und so lebt jedes Lebewesen in seiner artspezifischen Welt, die sich von den artspezifisch wahrgenommenen Welten der anderen Lebewesen unterscheidet. Im Prinzip ist es für jedes Lebewesen völlig unbedeutend, wie die Welt objektiv aussieht, da sie nur subjektiv erlebt werden kann, um die bestmöglichen Bedingungen für das eigene, artspezifische Überleben herausfinden zu können. Infolgedessen wird unsere Umwelt nur so weit in unserem Gehirn abgebildet (registriert), wie es für unser Fortbestehen erforderlich ist. Was darüber hinaus geht, ist und bleibt solange Spekulation, bis es uns gelungen ist, eindeutige Beweise für die Richtigkeit unserer spekulativen Hypothesen zu liefern. Der Weg vom hypothetisch-spekulativen Glauben bis zu einem fundierten, allseits anerkannten Wissen, kann nur etappenweise beschritten werden.....vergleichbar mit dem langsamen Wachsen eines vielästigen, weit verzweigten Baumes.

zurück zum Anfang der Seite

zur Person

zurück zu Gastbeiträge