PRIESTER der Heiligen römisch-katholischen Kirche
(von
Norbert Rohde)
Jeder, dem einmal die Möglichkeit geboten wurde, hinter die glänzende Fassade der Priesterkaste zu schauen, wurde recht bald desillusioniert. Die ursprünglichen, euphorischen Vorstellungen von den „Gesandten Gottes“ lösten sich schnell in Rauch auf, sie zerplatzen wie eine schillernde Seifenblase. Man stellt fest: „ Auch Priester, die angeblich von ihrem Gott zu ihrem elitären Dienst „berufen“ wurden, sind und bleiben hilflose, bedauernswerte Menschen, die sich zeitlebens - trotz der von ihrem Jesus versprochenen „immerwährenden göttlichen Hilfe“ - mit ihren menschlichen Unzuläng-lichkeiten herumplagen müssen“. Besonders die (zwangsweise) zölibatär lebenden römisch-katholischen Priester, Bischöfe und Kardinäle, füllen alljährlich die Zeitungsseiten wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Doch kein „mea culpa“, kein öffentliches Schuldbekenntnis seitens der päpstlichen Zölibats-Verfechter ist zu hören. Es werden nur intensive Vertuschungs- und Verharmlosungs-Aktionen von den hiervon betroffenen Kirchengemeinden oder von den vorgesetzten Kirchenoberen in die Wege geleitet. Es sind die gleichen Selbstschutzaktionen, die auch andere wirtschaftliche, parteiliche, politische oder sogar kriminelle Interessengemeinschaften ergreifen, wenn sie etwas Anrüchiges unter den Teppich kehren wollen. Recht und unrecht, gut und böse, christlich und unchristlich haben dann plötzlich ihre Bedeutung verloren. Die jungen Opfer der sexuellen Übergriffe bleiben sich selbst überlassen. Der oft genug beschworene „Heilige Geist“ wird in solchen Fällen zum Teufel gejagt. Es ist kein öffentliches „mea culpa“ zu vernehmen, kein „Herr erbarme dich unser“, sondern nur ein trotziges „Was geht uns das an ?“ Nicht anders verhält sich die Kirche, wenn der Papst jegliche Empfängnisverhütung – unabhängig von den jeweiligen Notsituationen - mit der Androhung der „Höllenkeule“ untersagt. Lieber nimmt die „Kirche Gottes“ die Geburt von Schwerstbehinderten, von Kindern mit Mangelernährung oder von ungeliebten „Vergewaltigungs-Kindern“ in Kauf, als dass sie von ihrer Irrlehre, dass der Mensch ein „Ebenbild Gottes“ sei, abgeht. Auf die Frage eines Fernsehreporters, warum seine Exzellenz, der Kardinal der Philippinen, seinen Gläubigen die Empfängnisverhütung verbietet, obwohl er weiß, dass viele der Neugeborenen später einmal aus purer Not der Kinderprostitution ausgeliefert sein werden, antwortete der Gottesmann: „Das ist nicht meine Schuld !“ Ebenso wird mit dem neuerlichen Kirchen-Schlagwort „Menschenwürde“ ein schändliches Spiel getrieben. Jahrhunderte lang ließ die gleiche „alleinseligmachende“ Kirche gottgläubige Menschen vertreiben, foltern oder verbrennen, weil sie der amtlichen Kirchenlehre im Wege standen und folglich keine Menschenwürde besaßen. Die gleiche Kirche segnet seit Jahrhunderten ( bis heute) blutjunge, kerngesunde und hoffnungsvolle Männer, damit sie ihr kostbares Leben „im Namen Gottes“ auf dem Schlachtfeld hingeben sollen, damit Könige, Kaiser und Päpste hiermit ihre ganz persönliche Macht ausbauen können. Wie vereinbaren sich diese Menschenopfer mit der lauthals beschworenen „christlichen Menschenwürde“ ? Die Theologen verweisen auf Petrus und Paulus, die den Gehorsam der Untertanen als „Gott wohlgefällig“ gepriesen hatten (1 Petr. 2 und Röm.13). Heute wiederum wird kirchlicherseits einem embryonalem Zellhaufen mehr Menschenwürde zuerkannt als jenen Kranken und Behinderten, denen durch die theologisch verweigerte Embryonalforschung eine Verbesserung ihres schweren Schicksals unmöglich gemacht wird. Verglichen mit den, von den Kirchen mitverschuldeten 30 Millionen toten Christen-Soldaten des zweiten Weltkriegs, die sich auf Befehl der „Obrigkeiten“ gegenseitig umbringen mussten, ist die Weigerung der gleichen Kirchen vielen schmerzvoll leidenden Kranken die erlösende Sterbehilfe zu verweigern, ein himmelschreiender Skandal. Und diese Verweigerungs-Haltung der Kirchen basiert lediglich auf einem einzigen biblischen Vers aus Genesis 1,27. Auf einem Vers, den sich irgendein Nomade vor 3000 oder 4000 Jahren einmal ausgedacht hat: „Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Bild schuf er ihn.“ Und die mit unseren Theologen paktierenden Politiker machen das schändliche Spiel aus purem Eigeninteresse mit („Wir müssen doch Rücksicht auf unsere kirchengläubigen Wähler nehmen“).
Ein mir gut bekannter Priester und Ordensbruder richtete einmal die Frage an seine Kirchengemeinde (St. Rita in Berlin-Reinickendorf): „Wo ist der Unterschied zwischen denen, die Christus „Kinder des Lichts“ nennt und denen, die er als „Kinder der Welt“ bezeichnet ?“ Und er fügte hinzu: „Ich bin entschlossen, für mich die Konsequenzen aus der Klärung dieser Frage zu ziehen.“ Nach langen Diskussionsabenden zwischen Gemeindemitgliedern und ihm musste er resigniert feststellen: „Sie konnten den Unterschied zu den Nichtgläubigen ebenso wenig finden wie ich ! Es ist unsere Tragik, dass wir in der Praxis den Unterschied zwischen uns, den „Kindern des Lichts“ und den (lichtlosen) „Kindern der Welt“ eigentlich in Nichts sichtbar zu machen vermögen. Unsere einzige Hoffnung ist, dass wenigstens Gott einen Unterschied sieht!“ Ein späterer, langer Briefwechsel zwischen diesem Priester und mir, in dem ich um die Klärung vieler theologischer, mich bedrückender Fragen bat, wurde mit dem resignierenden Eingeständnis des Priesters beendet: „Ich leide Zeit meines Lebens schmerzhaft an Gott, an meiner Kirche, an meinem Unvermögen und an meiner Sünde.“ Das erinnerte mich an die Hilflosigkeit des Jesus von Nazareth, als er am Kreuze hing und ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“(Matth.27,46). Das erinnerte mich auch an das schändliche, ängstlich-feige Versagen der christlichen Weltkirchen unter Hitler und Stalin, so wie ich es in vielerlei Hinsicht hautnah miterlebt hatte, und es erinnerte mich schließlich auch an den nicht eingelösten Entschluss des o.g. Priesters „die Konsequenzen aus der Klärung seiner Frage zu ziehen“. Zu meiner Enttäuschung predigte er in aller Öffentlichkeit weiterhin so, als wäre er von den „Wahrheiten“ seines Glaubens fest überzeugt. Er redete anders als er innerlich dachte. Diese Erfahrung haben wohl viele Christen mit ihren Priestern gemacht.
Eine im Jahre 1995 in Deutschland durchgeführte Befragung von evangelischen Gemeindepfarrern durch den Theologen Klaus-Peter Jörns erbrachte folgende Ergebnisse : Auf die Frage „Sehen Sie in dem von Ihnen gepredigten Jesus von Nazareth einen GOTT ?“ antworteten 33% der Pfarrer mit „Nein“. Nur 43% der Befragten glaubten noch an die Allmacht ihres Gottes , 33% an das „Jüngste Gericht“ und 13% an die biblische „Erbsünde“ (laut Prof. Dr. Gerd Lüdemann 10/2000).
Eine, von der evangelisch-schweizerischen Wochenzeitung „Reformierte Presse“ in Auftrag gegebene Umfrage unter 500 reformierten Pfarrern der deutschsprachigen Schweiz erregte großes Aufsehen. Auf die Frage „Glauben Sie, dass Jesus leiblich in Fleisch und Blut auferstanden ist ?“ antwortete nur ein Drittel der Pfarrer mit „Ja“, ein weiteres Drittel mit „Nein“, und der Rest enthielt sich der Stimme. An ein Weiterleben nach dem irdischen Tod glaubten immerhin noch zwischen 63 und 75% (je nach Alter und Geschlecht). Über die Hälfte der angeschriebenen Pfarrer hatte allerdings die Antworten verweigert: „Ich will mir doch nicht die Finger verbrennen“ hieß es . Viele äußerten die Befürchtung, sich bei wahrheitsgemäßer Beantwortung der Fragen berufliche Nachteile einzuhandeln (FAZ 22.04.2000).
Diese zutage getretene Scheu der Theologen macht das große Schweigen der christlichen Kirchen unter Stalin, Hitler, Honnecker und anderen Diktatoren des vergangenen Jahrhunderts (z.B. in Mittel- und Südamerika) erklärlich. Eine Weltkirche, die den großen, allmächtigen GOTT hinter sich wusste, verkroch sich vor einer Handvoll Diktatoren, anstatt sich im Einklang mit ihrem Evangelium gegen jegliches Unrecht zu stemmen. Wie ist das möglich ? Priester sein, eine Berufung oder nur ein ganz normaler Job, so wie jeder andere auch ? Ein Beruf, der nur mit Heuchelei und Lügen am Leben erhalten werden kann ?!
Dass ähnliche Umfragen unter Wissenschaftlern ähnliche Ergebnisse erbringen, das ist nicht verwunderlich. Auf die Frage „Existiert für Sie ein persönlicher GOTT“ hatten nur 7% von US-Wissenschaftlern mit „Ja“ geantwortet. Auf die Frage „Glauben Sie an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele“, hatten knapp 8% mit „Ja“ und knapp 77% mit „Nein“ geantwortet. Dass die Durchschnittsbevölkerung der USA hingegen ihren Theologen mehr als ihren weltweit anerkannten Wissenschaftlern glaubt, das zeigen die Umfragergebnisse von 1981: 95% der US-Bevölkerung glaubten damals an die Existenz eines persönlichen Gottes und 71% an die Unsterblichkeit ihrer Seelen (Bild der Wissenschaft 12/1999). Fraglich ist allerdings, ob sich diese Meinung bis heute gehalten hat. Der Pakt zwischen Theologie und Staatsmacht beruht auf Gegenseitigkeit. Entweder schweigen die Theologen gegenüber den Verbrechen ihres Staates oder sie wirken beratend an der staatlichen Gesetzgebung zu ihren eigenen Gunsten mit. In beiden Fällen ist ihr Überleben garantiert. Nicht anders war es in nahezu allen Ländern und Kulturen der Vergangenheit, und so wird es wohl auch immer bleiben,.....solange der Bildungsstand der Völker (als williges Wahl- und Steuerzahler-Volk) von ihren Regierungen bewusst niedrig gehalten wird und die Theologen alles unternehmen, um eine freie, wissenschaftliche Aufklärung ihrer Schafe zu hintertreiben. Denn Staat und Kirche fürchten gleichermaßen ein aufgeklärtes und kritisches Volk. Folglich wäscht eine Hand die andere entsprechend dem 13. Paulusbrief an die Römer und dem 1. Petrusbrief (2, 13 und20) an die Christengemeinden in Kleinasien.
Die Kirchenanhänger schimpfen über die Sektengläubigen. Diese wieder über die Astrologiegläubigen und jene wieder über die Wahrsager. Bibelglaube und Aberglaube sind ein und dasselbe. Es ist doch völlig egal, ob ich einer zugesagten Gebetserhörung gemäß Matth.7, Vers 7-11 vertraue, oder ob ich dem Ratschlag eines Sterndeuters , einer Kartenlegerin oder dem Orakel von Delphi mein Vertrauen schenke. In allen Fällen sind die Vertrauenden die Gelackmeierten. Statistisch gesehen könnte die Trefferquote zwischen plus und minus immer 50% betragen. Bei den veröffentlichten Jahreshoroskopen liegt die positive Quote weit darunter. Gäbe es eine statistische Auswertung von Kartenleger-Voraussagen oder von Gebetserhörungen, so käme eine noch geringere Trefferquote zutage. Man könnte ja die Leichtgläubigkeit der Horoskop-, Kartenleger- oder Bibelgläubigen belächeln, wenn sie nicht so viele, bittere Erfahrungen im Vertrauen auf die (weisen) Ratschläge ihrer Magier, Gurus, Rasputine und Priester gemacht hätten. Und wie viele lebenswichtige Fehlentscheidungen wurden auf Anraten dieser Scharlatane getroffen, die ganze Familien, ja ganze Völker ins Unglück gestürzt hatten. Immerhin verlassen die ehrlichsten, geradlinigsten und mutigsten Priester das sinkende Kirchenschiff, weil sie sich nicht mehr an diesem Lug und Trug beteiligen wollen. Jene, die der Menschheit als „Arbeiterpriester“, Armenpriester oder als Befürworter der „Theologie der Befreiung“ DIENEN wollten,....haben zuhauf Ihre Kirche verlassen, weil sie den Pakt zwischen Rom und den korrupten Regierungen mitsamt ihren gehätschelten Großgrundbesitzern nicht mehr gutheißen konnten. Doch alle Priester, denen der magisch-liturgische Firlefanz, die orakelhaft-dämonischen Zauberriten und die pharisäisch eitle Selbstbeweihräucherung mehr am Herzen lag als eine „entbehrungsreiche Nachfolge ihres Jesus von Nazareth“, konnten mit der Sympathie Roms rechnen und zumeist eine steile, innerkirchliche Karriere machen. Das beklagen viele Priester und Bischöfe der dritten Welt. Doch lassen wir die nord- und ostdeutsche „Katholische Kirchenzeitung“ vom 16.09.01 zu Wort kommen. Zum 80. Geburtstag des deutschstämmigen Kardinals Paulo Evaristo Arns von Sao Paulo (Brasilien), schrieb die Kirchenzeitung : „Kardinal des Volkes wurde er genannt, der mutige Kämpfer für die Menschenrechte, der große Prophet der „Kirche der Armen“. 1973 berief ihn Papst Paul VI. ins Kardinalskollegium. Seine Amtszeit begann er mit einem Paukenschlag. Er verkaufte sein Bischofspalais und baute mit dem Erlös viele Sozialstationen im Elendsviertel von Sao Paulo. Es sollte ein Zeichen sein, für den vollzogenen Bruch mit der Jahrhunderte langen Allianz zwischen Kirche und Staat. Die Armen sollten wieder Heimatrecht in der Kirche haben als die „wahren Auserwählten Gottes.“ (Anmerkung: So wie es auch Jesus gepredigt und vorgelebt hatte. Doch die zunehmende Konfrontation des „Kardinals des Volkes“ mit den Herrschenden und sein kompromissloses Eintreten für die Armen seiner Diözese waren dem neuen Papst Johannes Paul II. ein Dorn im Auge). „1989 wurde seine Diözese, mit 13 Millionen Einwohnern die größte der Welt, ohne vorherige Konsultation, auf Anordnung Roms in fünf kleinere Diözesen aufgeteilt. Dadurch verloren die Ärmsten des Volkes in den großen Vorstädten der Metropole ihren wichtigsten und einflussreichsten Fürsprecher und Freund. Im Alter von 75 Jahren reichte der Kardinal „pflichtgemäß“ seinen Rücktritt ein. Er wurde sofort vom Papst angenommen, wohingegen sein Amtskollege, der Kardinal von Rio, sein Amt noch bis zum 80. Lebensjahr behalten durfte.“ Pater Bernhard Häring wandte sich 1978 bei einer Vorlesung in Sao Paulo vehement gegen eine „hierarchisch gegliederte klerikale Kirche, die sich darin gefällt, Reichtum, Ehren und Privilegien von den Mächtigen anzunehmen, um als Gegenleistung eine ungerechte Gesellschaftsordnung zu begünstigen, welche die wenigen Reichen auf Kosten der verarmten Massen immer reicher werden lässt.“ David Rice bringt in seinem Buch „Kirche ohne Priester“ weitere Beispiele, die die Berechtigung dieses Vorwurfs untermauern. Doch war es unter Hitler mit Pius XII. anders ? Allerdings entsprang hier der Pakt zwischen Kirche und Staat einem gemeinsamen Interesse : „Der Machtausbreitung beider Interessenten in Richtung Osten“. Die Kumpanei zwischen Kirche und Staat, hatte sich ja seit Konstantin d.Gr. bewährt. Sie konnte sich guten Gewissens auf die paulinische Anordnung berufen „sich der gottgewollten Obrigkeit unterzuordnen“ (Römer 13).
Das autoritäre Prinzip der Unterordnung wird schließlich sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Amtskirche praktiziert. Nicht linientreuen Hochschultheologen wird sofort die Lehrerlaubnis entzogen. Rom hat inzwischen im Zulassungsverfahren für die theologische Lehrbefugnis die Messlatte so hoch gelegt, dass kritisch eingestellte Lehranwärter und besonders weibliche Theologen kaum noch eine Chance haben, ihren Berufswunsch erfüllen zu können (Kath. Kirchenzeitung vom 3. März 2002). Kirchliche Amtsträger sind jetzt verpflichtet, nicht nur „unfehlbar“ verkündete Glaubenslehren, sondern „alles und jedes einzelne, was vom Lehramt der Kirche in der Glaubens- und Sittenlehre definitiv vorgelegt wird, zu glauben......mit religiösem Gehorsam des Willens und des Verstandes,......andernfalls droht eine gerechte Strafe bis hin zur großen Exkommunikation (Ausschluss aus der Kirche)“. David Rice beschreibt in seinem Buch viele Fälle von diktatorischem Verhalten seitens der kirchlichen Vorgesetzten, die unter den Priestern vieler Länder scharfe Proteste ausgelöst hatten. Beispielsweise haben sich 1968 in einer texanischen Erzdiözese 68 Priester beim Papst über ihren autokratisch agierenden Erzbischof R. E. Lucey beschwert. Da aber für Rom Macht vor Recht geht, wurden die 68 Beschwerdeführer gemaßregelt. Viele Priester fragen sich: „Wie lange kann Rom noch diesen Herrschaftsstil durchhalten ?“ Die Theologin Uta Ranke-Heinemann schreibt im Vorwort zum Buch „Kirche ohne Priester“: „Die Ära einer männlichen Herrschaftskaste von Hirten über eine tumbe Herde geht ihrem Ende entgegen. Die Hirten (Priester) werden als Herrschafts-Instrument im Dienste von Exzellenzen, Eminenzen und „Heiligen“ Vätern missbraucht“ ! Letztendlich werden ja nahezu alle Religionen als „Herrschaftsinstrument im Dienste von Wirtschaftsbossen, Politikern, Kirchen, Sekten, Predigern, Propheten, Gurus, Rasputinen und Priestern“ missbraucht. Wenn in den letzten Jahren nahezu 100 000 katholische Priester ihrer Kirche den Rücken gekehrt haben, so müsste das für Rom doch ein Alarmzeichen sein. Ein Herde ohne Hirten ? David Rice stellt resigniert fest : „Die katholische Kirche ist mehr an äußerem Glanz und Pomp interessiert als am Seelenheil seiner Schafe.“ 1985 gab es weltweit 368 000 Kath. Gemeinden und Missionsstationen, von denen 42% keine eigenen Priester mehr hatten. In Deutschland gab es 1983 noch 829 Priesterkandidaten, 13 Jahre später waren es nur noch 232 Kandidaten. Die wenigsten altgedienten, ausgelaugten und vereinsamten Pfarrer in Deutschland können noch mit gutem Gewissen den jungen Männern ihrer Gemeinden den Priesterberuf empfehlen. Die weltweite Desertation von langjährig tätig gewesenen Priestern, die Zunahme von sexuellen Verfehlungen und Kindesmissbrauch, von Alkoholismus unter Priestern und Nonnen (Zölibats-Impfstoff genannt) und der zunehmende Psychopharmaka-Konsum, das müsste doch in Rom die Alarmglocken schrillen lassen. Hinzu kommet die Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit der Gottesdiener gegenüber den besorgten und irritierten Fragen ihrer (immer noch) gläubigen Herden (siehe hier „Fragen an Theologen“). Die Theologie ist sprachlos. Doch was kann Rom gegen diese Sprachlosigkeit tun ? Die Kirche hat ja oft genug im Laufe der Menschheits-Geschichte ihr Unvermögen zur Verbesserung der Welt bewiesen. Wem nutzt da die peinliche Frage eines Fundamental-Theologen, die da lautet: „Warum muss sich die Wahrheit des Christentums an seinen Effekten messen lassen“? (Prof. Dr. Jürgen Werbick in seinem Buch „Vom entscheidend und unterscheidend Christlichen). Er meint, es genügt doch vollauf, wenn die „Christliche Wahrheit im Leben des Glaubenden wirksam wird“. Was schert ihn der Hinweis seines Lehrmeisters auf die weltweiten Werke und Früchte, an denen man die Güte eines Propheten und seiner verkündeten Wahrheiten erkennen kann (Matth. 7, 16 bzw. 12, 33 und Lukas 6, 45). Also ein totaler Rückzieher der gescheiterten Bibel-Theologie aus dieser unserer realen Welt durch eine klammheimliche Flucht ins eigene, kleine Kämmerlein ? Eine Kapitulation vor den „Wahrheiten“ (oder besser gesagt) vor den Realitäten dieser unserer Welt. Realitäten, wie sie für jeden denkenden Menschen (nicht nur für Theologen) erkennbar und zugänglich geworden sind. Die katholische Theologie hat sich doch durch ihre selbstgebastelten „irrtumslosen Dogmen“ selbst in diese Sackgasse hineinmanövriert. Sie hat sich damit die längst überfällig gewordene Korrektur ihrer lauthals verkündeten „biblischen Wahrheiten“ selbstherrlich verbaut. Doch „Was ist Wahrheit ?“ Das hatte schon Pilatus gefragt. Und der angeklagte Jesus von Nazareth schwieg (Johannes 18, Vers 38).
Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir inzwischen über Gott und die Welt fortlaufend gewonnen haben, sprechen der „Theologie der Erlösung“ durch die Kirchen Hohn. Die Kirchen müssen nun selbst von ihren Irrtümern erlöst werden. Sie sind mit ihren Weisheiten am Ende. Die Kluft zwischen Glauben und Wissen ist inzwischen unüberbrückbar geworden. Das Wissen um die Hintergründe und Zusammenhänge unserer natürlichen Welt nimmt rasant zu. Der Glaube an die unnatürlichen , selbstgebastelten Menschengötter ist infolgedessen in sich zusammengebrochen.
Auch die Astrologie und die Chirologie (Charakter- und Schicksalsdeutung aus der Konstellation der Gestirne bzw. aus den Linien und –Formen der Hände) waren bis ins 18. Jahrhundert ordentliche Lehrfächer an manchen Universitäten. Nun wird es endlich Zeit, dass auch die Theologie aus allen staatlich unterhaltenen Universitäten verschwindet.| zurück zum Anfang der Seite |