Jedenfalls will ich mir nicht vorhalten lassen, daß ich Gott leugne, in dem Sinne, daß ich etwas Wahres in Abrede stelle. Sondern ich sage (encarta!), daß die Behauptung, es existiere ein (vielleicht sogar noch persönlicher) Gott, nicht wahr ist.
Wenn ich mich in dieser Site als Atheist bezeichne, dann in dem Sinne, daß ich nicht glaube, daß es einen Gott gibt. Das erfordert eine genauere Betrachung:
Es bedeutet nicht, daß ich glaube, daß es keinen Gott gibt. Sondern ich glaube nicht, daß es einen gibt. Das klingt auf den ersten Blick wie Haarspalterei, aber viele Gläubige behaupten, wenn man nicht glaubt, daß man sozugsagen den Nichtglauben glaubt. Der Satz "ich glaube nicht, daß....." bedeutet etwas völlig anderes als der Satz "ich glaube, daß nicht ....."
Das führt zu einer zweiten Abgrenzung: Das Wort "glauben". Ich benutze dieses Verb sehr ungern, und wenn doch, dann im Sinne von "vermuten, für möglich oder wahrscheinlich halten", nie im Sinne von "für wahr halten". Denn ich "glaube" nicht, daß es eine absolute Wahrheit gibt.
Die Evolutionstheorie selbst hat mit Religion oder Nichtreligion nichts zu tun. Evolution ist eine wissenschaftliche Erkenntnis, die aus empirischen Belegen gewonnen wurde. Evolution kann man jetzt und heute beobachten, die Theorie von der Entstehung der Arten besteht im wesentlichen aus Indizienbeweisen, die von diversen naturwissenschaftlichen Disziplinen erbracht werden und einander in ihren Aussagen ergänzen. Natürlich kommt es hin und wieder vor, daß Indizien falsch interpretiert werden, aber eine notwendige Korrektur brachte nie das Theoriegebäude zum Einsturz. Und solange das nicht der Fall ist, ist diese Theorie gültig.
Evolution gibt es. Aber einen "Glauben" an die Evolutionstheorie gibt es nicht, wie es Kreationisten behaupten. Genauso könnte man z.B. sagen: "Ich glaube an den Freien Fall. Ich glaube an die Massenanziehung. Ich glaube an das Coulombsche Gesetz. Ich glaube an die Schrödinger-Gleichungen. Ich glaube an die Relativitätstheorie." Naturwissenschaftliche Theorien sind Modelle der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst. Sie beschreiben aber diese Wirklichkeit mehr oder minder genau. Das macht auch die Evolutionstheorie. Sie ist eine Erklärung des existierenden Lebens.
Der Kreationismus dagegen ist keine Wissenschaft. Er ist (meiner Ansicht nach: nichtnotwendiger) Bestandteil eines religiösen Glaubens. Er beruft sich auf ein altes Buch, das angeblich von einem (DEM) Gott inspiriert ist, fragt aber nicht nach tatsächlich existierenden Phänomenen. So machen Kreationisten meist auch keine eigenen positiven Aussagen, sondern beschränken sich darauf, nach Löchern in der Evolutionstheorie zu suchen. Sie übersehen dabei aber, daß sogar ein Fall der ET noch lange nicht bedeuten muß, daß der Kreationismus in diese Lücke springen könnte. Schon vom rein wissenschaftlichen Anspruch an eine Theorie her wäre das völlig unmöglich. Außerdem hatten sie über einen Zeitraum von mindestens ca. 1800 Jahren eine mehr als faire Chance (wenn man nur den christlichen Teil betrachtet).
Der jüdisch-christliche Schöpfungsmythos hat den gleichen Stellenwert wie die Schöpfungsmythen aller anderen Völker. Seine Anhänger haben ihn nur erfolgreicher verbreitet. Das macht ihn aber historisch gesehen nicht wahrer.
Trotzdem besteht natürlich ein gewisser Zusammenhang zwischen Weltbild und Wissenschaft, das will ich nicht leugnen. Alle naturwissenschaftlichen Erkenntnisse haben gezeigt, daß das Postulat eines Gottes nicht notwendig ist zur Erklärung der Welt. Sie schließen diese Existenz zwar auch nicht explizit aus, aber der Verdacht liegt doch nahe, daß dies im wesentlichen mit Rücksicht auf herrschende gesellschaftliche Strukturen geschieht. Denn es gibt keinen einzigen nachprüfbaren Beleg für die Existenz von Göttern. Wozu also sollen sie gut sein?
Die ältesten vermuteten Formen von Religion finden sich in Bestattungsformen und Höhlenmalereien. Hier ist man aufgrund fehlender schriftlicher Zeugnisse auf Deutungen angewiesen, die sich vielfach auf bei Naturvölkern (auch noch heute) vorgefundene Rituale stützen. Die Funde scheinen auf schamanistische Naturreligionen von Stammensverbänden hinzudeuten.
Derartige, mit Schamanen als Priestervorläufern funktionierende religiöse Rituale versuchen meist, die teils als bedrohlich, teils als fürsorglich empfundenen, personal erlebten Naturkräfte zu erkennen, zu verstehen und zu beeinflussen. Schamanen bedienten sich häufig sogenannter bewußtseinserweiternder Rauschmittel, um außerordentliche Erfahrungen zu machen, aus denen sie Zukunft und/oder Absicht der Naturkräfte deuten konnten. Oft suchten Schamanen ihre Nachfolger selbst aus. In Weltentstehungsmythen spielen meist Pflanzen und Tiere die Hauptrolle.
Nicht nur in den Staaten des alten Orients verselbständigen sich die Naturkräfte zu Gottheiten. Oft sind sie noch für bestimmte Bereiche zuständig, aber ihnen wird eine persönliche Geschichte zugeschrieben, die meist auch einen Schöpfungsmythos beinhaltet. Die bekanntesten dürften die griechischen und römischen Götter sein, aber auch im germanischen Raum ist dieses Phänomen anzutreffen. Oft ist auch ein Weltuntergangsmythos enthalten. (so z.B. in Ägypten, aber auch in der Edda)
Asiatische Religionen sind mir nicht so sehr vertraut, aber auch dort gibt es einen vielfältigen Götterhimmel.
Als Fortschritt wird im allgemeinen der Ein-Gott-Glaube aufgefaßt. Alle unfaßbaren natürlichen Vorkommnisse werden auf eine einzige Urgewalt, den einen und einzigen Gott, zurückgeführt. Das macht die Anbetung mangels zu beachtender Konkurrenz zwar einfacher, gleichzeitig wird dieser eine Gott, der alle Naturgewalten beherrscht, aber immer unberechenbarer und mächtiger. Scheinbar ist das nur im Bereich der jüdischen Göttertradition der Fall gewesen, denn außer dem von Juden, Christen und Moslems (in der Reihenfolge des historischen Auftritts) requirierten gemeinsamen Gott mit unterschiedlichen Eigenschaften sind mir keine anderen, ähnlich mächtigen Götter anderer monotheistischer Religionen bekannt.
Christentum und Islam basieren beide auf jüdischem Monotheismus. Beide haben dieser Ursprungsreligion ihr eigenes Gepräge aufgedrückt. Beide gehen auf Religionsstifter zurück, die die ursprüngliche Lehre für ihre Zwecke vereinnahmt und verändert haben. Beide haben diese neuen Religionen gewaltsam verbreitet. Ich möchte mich im Folgenden auf das Christentum beschränken (hier kenne ich mich einfach besser aus). Aber viele meiner Argumente zielen auf die Aussagen aller Religionen ab, die diesen Ursprung haben.
Auch beim Christentum handelt es sich nicht um eine einzige Religion, sondern um eine Gruppe durchaus unterschiedlicher Sichtweisen der Welt. Jede dieser Gruppierungen hält die Anhänger der anderen Gruppen für mehr oder minder irrläubig. So unterscheidet man Katholiken, Evangelische (allein hier gibt es viele verschiedene Untergruppen), Neuapostolische, Baptisten, Zeugen Jehovas, Mormonen, Orthodoxe, und und und............. Selbstverständlich weiß jede Kirche bzw. Sekte (ich sehe den Unterschied zwischen beiden ausschließlich in der politischen Stärke der Anhängerschaft in der Gesellschaft) ganz genau, was Gott eigentlich wirklich wollte und will und auch, was nicht. Einiges davon ist durchaus widersprüchlich. Diese Vielfalt macht die Auseinandersetzung mit diesem merkwürdigen Glauben Christentum etwas schwierig, denn es gibt bei fast jedem Argument eine Gruppe, die sagt: "Das glauben vielleicht die XYZ, wir doch aber nicht!" Deshalb möchte ich mich auch im folgenden nicht an der Geschichte des Christentums hochziehen (die ja im wesentlichen eine katholische ist) und auch nicht auf Besonderheiten einzelner Kirchen und Sekten eingehen (also z.B. Zölibat, Unfehlbarkeit des Papstes, Bluttransfusionen, Mehrehe etc.). Statt dessen möchte ich auf die Grundaussagen dieser Religion(en) eingehen.
"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser....." Derartige Schöpfungsmythen gibt es bei allen Völkern der Erde. Mit unterschiedlichem Hergang und unterschiedlichen Göttern. Dieser Mythos der Bibel ist also nicht Besonderes. Das Einzige, was ihn heraushebt, ist die Verbreitung durch die weltweite Verbreitung der Bibel (und diese Verbreitung geschah in der Geschichte größtenteils gewaltsam).
Warum nun wird die Schöpfung einem oder mehreren Göttern zugeschrieben? Menschen sind neugierig. Sie wollen wissen, woher sie und alle anderen Wesen und Dinge kommen. In der früher natürlichen Ermangelung der Tatsachenkenntnis erfand man Erklärungen. Furchtauslösende Naturereignisse taten ein übriges.
Heute
liegt der Ursprung des Universums durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse
nicht mehr so sehr im Dunkeln. Das Wie seines Entstehens und seiner Entwicklung
ist prinzipiell geklärt. Die meisten christlichen Gruppen haben das
auch akzeptiert (teils auch akzeptieren müssen) und ziehen sich nun
auf die Frage nach dem Warum zurück. Diese Frage ist naturwissenschaftlich
nicht beantwortbar. Trotzdem fragt sich wohl jeder Mensch nach dem Sinn
und Zweck des Ganzen. Und genau da bieten die Christen eine Menge Erklärungen
an, die jedem, der unvoreingenommen an die Sache herangeht, zumindest eigenartig
erscheinen müßten:
Stellen wir uns einmal vor, in eine Welt ohne Religion hineingeboren worden zu sein. Keine Babytaufe, kein christlicher Kindergarten, keine christliche Grundschule, kein konfessioneller Kommunionunterricht, keine Konfirmandenunterricht, keine christlich indoktrinierte schulische Erziehung mit Notengebung.
Ich
behaupte: Die Menschen in ihr wären weder besser noch schlechter.