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Das Wattenmeer:

Küste


Das Watt und sein Rinnensystem
Das ist die typische Rippel-
struktur des Sandwatts

Das Watt und sein Rinnensystem
Jeder Besucher an den Nordseeküsten wird mit einem geradezu phantastischen Phänomen konfrontiert, nämlich daß es Gebiete gibt, die im ständigen Rhythmus der Gezeiten entweder trockenliegen oder von Wasser bedeckt werden. Sie bilden das Watt, jenen einzigartigen, phantastischen, aber gleichsam problematischen Lebensraum. Diesen möchten wir im folgenden etwas näher erklären. Das Watt im Gegensatz zum Wattenmeer wurde von den Wissenschaftlern als der Bereich festgelegt, der zweimal am Tag trocken fällt und wieder überflutet wird. Er umfaßt aber auch ein Rinnensystem aus Prielen, Baljen und Seegats, welches für die Entwässerung verantwortlich ist. Wenn man sich bei Niedrigwasser einmal die Topographie des Wattbodens ansieht, so fällt einem auf, daß fast kein Gefälle existiert, und falls doch eins vorhanden ist, dann ein kaum wahrnehmbares, das sich auf wenige Millimeter pro Kilometer Länge beschränkt. Aufgrund unterschiedlicher Lage und Materialtyps des Wattbodens haben Wissenschaftler das Watt in verschiedene Wattarten eingeteilt:
    I. Die erste Einteilung erfolgt nach dem Sedimentationstyp, d.h., aus welchem Material der Wattboden besteht:

      1. Schlickwatt: Hier wird aufgrund einer geringeren Bewegungsenergie des Wassers feines Sedimentationsmaterial (Schlick) mit einer durchschnittlichen Korngröße von weniger als 0.06 mm abgelagert. Dies ist in der Regel in Landnähe der Fall. Das Schlickwatt besitzt meist eine glatte wasserglänzende Oberfläche und gilt als schlecht begehbar.
      2. Sandwatt: Aufgrund einer starken Wasserbewegung lagern sich hier nur grobkörnige Partikel mit einer durchschnittlichen Korngröße von über 0.1 mm ab. Sandwattengebiete treten also zumeist in der Nähe von Prielen, Baljen und Seegats auf. Typisch für sie ist eine deutliche Rippelstruktur der Oberfläche und eine gute Begehbarkeit.
      3. Mischwatt: wie der Name es schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Mischform aus den beiden schon erwähnten Wattformen. Das Mischwatt stellt also das Übergangsgebiet zwischen dem Schlickwatt und dem Sandwatt dar. Seine durchschnittliche Korngröße liegt deshalb zwischen 0.1 mm und 0.06 mm.

    II. Die zweite Einteilung erfaßt die geographische Lage der Wattgebiete:

      1.die offenen Watten, die ohne den Schutz einer Insel oder Sandbank auskommen müssen.
      2.die Rückseitenwatten, die sich hinter schützenden hohen Sandbänken oder Inseln befinden.
      3.die Buchtwatten, die sich im Schutz einer Meeresbucht befinden. Alle drei Wattarten gehören zu Gruppe der Marine Watten, im Gegensatz zu den 4. Brackwasserwatten (Ästuarwatten), die sich im Bereich von Flußmündungen befinden.


1.Offene Schlickwatten
2.Zurückliegende Schlickwatten
3.Buchtwatten
4.Brackwasserwatten



Dieses sind Trockenrisse,die in
heißen Sommern entstehen können.

Wie bereits angesprochen, handelt es sich beim Watt um einen Lebensraum mit sehr problematischen Lebensbedingungen. Dies hat seine Ursache in den oft sehr extremen Schwankungen der gerade herrschenden Lebensbedingungen. Wie man sich sicher vorstellen kann, ist der Wechsel der Gezeiten der Hauptfaktor, was Änderungen angeht. Bei ablaufendem Wasser wird aus dem Meer Land (Ebbe) und bei auflaufendem Wasser wird aus dem Land plötzlich wieder Meer (Flut). Die Gezeiten sind aber nicht die einzigen Veränderungen, die diesem Lebensraum obliegen. Es gibt eine ganze Anzahl von Faktoren, die entweder hiermit zusammenhängen oder unabhängig hiervon den Erfindungsreichtum der Lebewesen im Watt Probleme zur Lösung schaffen. Vier von ihnen wollen wir einmal näher betrachten.
    1. Der Salzgehalt des Wassers
    2. Die Temperatur
    3. Der Sauerstoffgehalt des Bodens
    4. Der Nährstoffverteilung

1. . Da ist zuerst der Salzgehalt des Wassers. Dieser entspricht im wesentlichen dem der Nordsee, d.h. er beträgt im Jahresdurchschnitt 25‰ bis 30‰. Pro 1 L Wasser sind also 25 g bis 30 g Salz gelöst. Er kann aber durch Klimafaktoren stark geändert werden. So können starke Niederschläge bei Ebbe das sich in Pfützen sammelnde Restwasser stark verdünnen, und so den Salzgehalt auf unter 10‰ reduzieren. Das andere Extrem hierzu stellt das Verdunsten des Restwassers auf Gebieten, die aufgrund ihrer höheren Lage nur noch sehr selten überflutet werden, dar. Es können richtige Trockenrisse und Salzkrusten entstehen. Dies ist vor allem in warmen Sommern mit wenig Niederschlägen der Fall. Aber auch im Winter kann der Salzgehalt steigen, wenn nämlich durch Eisentwicklung ein Teil des Wassers als Süßwasser zu Eis wird und nun sich die gleichgebliebene Salzmenge auf insgesamt weniger Wasser verteilt.

2. Temperaturveränderungen im Watt treten immer dann besonders stark auf, wenn zwischen der Temperatur des Wassers und der Temperatur des Bodens ein großer Unterschied besteht. Hierfür ein Beispiel. Im Frühjahr wird die dunkle Oberfläche des Wattbodens durch Sonneneinstrahlung auf 20°C erhitzt. Das Wasser hat in dieser Jahreszeit aber nur eine durchschnittliche Temperatur von 5°C. Bei der Überflutung tritt also ein hoher Temperatursturz ein und die Lebewesen müssen sich mit einer wesentlich niedrigeren Umgebungstemperatur zurecht finden.


Das Watt im Winter.



3. und 4. Bei auf- und ablaufendem Wasser entstehen im Watt Strömungsverhältnisse, die oft stark durch den Wind beeinflußt werden. Auf den ebenen Wattflächen erreicht die Strömung eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 1.8 km/h, in Prielen und Rinnen sogar 7.2 km/h. Diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten haben Einfluß auf zwei Prozesse, die bei auf- bzw. ablaufendem Wasser passieren. Bei ablaufendem Wasser findet Erosion statt. Organisches und anorganisches Material wird abgetragen, z.T. gelöst und in die Nordsee transportiert. Dabei ist die Erosion in Prielen wegen der höheren Strömungsgeschwindigkeit größer als die auf den ebenen Wattflächen. Bei auflaufendem Wasser findet Sedimentation statt, d.h. organisches und anorganisches Material wird abgelagert. Wie bereits bei der Einteilung des Watts nach Sedimentationstypen erklärt, findet dort, wo eine höhere Strömungsgeschwindigkeit des Wassers vorliegt, eine Sedimentation von gröberen Partikeln statt, wohingegen feinere Partikel dort abgelagert werden, wo die Strömungsgeschwindigkeit relativ klein ist. Weil im Sandwatt aufgrund der gröberen Partikel größere Poren zwischen den einzelnen Partikeln vorhanden sind und eine stärkere Sedimentationsumlagerung stattfindet, ist es besser mit Sauerstoff versorgt als das Schlickwatt. Im Schlickwatt herrscht bereits nach wenigen Millimetern Sauerstoffmangel. Nach der Sedimenationsschicht mit Sauerstoff kommt die sauerstoffreie Schicht, die gut an ihrer Schwarzfärbung zu erkennen ist. Die Schwarzfärbung wird durch Eisensulfid verursacht, das aus der Reaktion von Eisen und Schwefelwasserstoff entsteht. Dieser Schwefelwasserstoff verursacht manchmal im Watt dann den Geruch nach faulen Eiern.


Dies ist ein sehr schönes Bild,
das die Rinnensysteme im Watt zeigt.

Tiere (Organismen) des Watts
Viele Tiere des Wattes haben sich wegen der extremen Schwankungen der Lebensbedingungen auf der Wattoberfläche auf ein Leben im Wattboden spezialisiert. Das verschafft ihnen vor allem zwei Vorteile: erstens moderatere Lebensbedingungen und zweitens effektiveren Schutz gegen Feinde, wirft aber auch einige Probleme auf, wie z.B. die Sauerstoffversorgung bzw. die Versorgung mit Nahrung und den Umgang mit giftigem Schwefelwasserstoff. Der Kontakt mit dem Wasser ist für die Lebensformen unersetzlich. Im Wasser sind der Sauerstoff und die Nahrung gelöst. Aber auch für die Fortpflanzung (Reproduktion) ist das Wasser als Transportmedium und Entwicklungsgebiet unersetzlich. Dadurch entsteht die Notwendigkeit einer ständigen Verbindung zwischen Lebewesen und Wasser durch den Wattboden. Zwei Tiergruppen haben dieses Problem auf unterschiedliche Art und Weise gelöst: Die Muscheln besitzen ein schnorchelähnliches Körperangehänge, das Syphus genannt wird. Mit solchen Syphonen ist es ihnen möglich, auf der einen Seite sauerstoffhaltiges Wasser mit Nahrung aufzunehmen, während sie auf der anderen Seite das verbrauchte und filtrierte Atemwasser wieder abgeben. Die Würmer legen Wohnbauten an, durch die sie aktiv Wasser pumpen. Dieses Pumpen sorgt gleichzeitig dafür, daß der Schwefelwasserstoff zu Sulfat oxidiert und somit ungiftig gemacht wird.


Wo sind sie denn alle hin..?



Ein Seehund ruht auf einer Sandbank.

Das Leben im Wattboden spielt sich auf verschiedenen Etagen ab. Auf der Wattoberfläche trifft man z.B. die Miesmuschel (Mytilus edulis) an, die in richtigen "Kolonien" mit anderen Artgenossen zusammen lebt. Solche Lebensgemeinschaften nennt man dann Muschelbänke. In der ersten Etage, die ungefähr bis 10 cm in den Wattboden hineinreicht, leben Wattschnecken (Hydrobia ulvae), Schlickkrebse (Corophium volutator), Herzmuscheln (Cerastoderma edule), Plattmuscheln (Macoma baltica) und Seeringelnwürmer (Nereis virens und Nereis diversicolor). Noch weiter im Wattboden leben Pfeffermuscheln (Scorbicularia), Bäumchenröhrenwürmer (Lanice conchilega), Sandklaffmuscheln (Mya arenaria) und die Pierwürmer (Arenicola marina), die die meisten Menschen wohl besser als Wattwürmer kennen. Nahrungsgrundlage für all diese Lebewesen sind winzige Algen, die entweder schon im oder auf dem Wattboden sind oder die bei Flut vom Wasser mitgebracht werden. Doch Muscheln und Würmer bilden nicht das Ende der Nahrungskette. Sie sind Beute für Krebse, Jungfische und Vögel. Vor allem für Zugvögel wie die Ringelgans (Branta bernicla) und der Knut (Calidris canutus) stellt das Watt eine richtige "Tankstelle" dar, gilt es doch, sich hier von den Strapazen eines langen Fluges auszuruhen und gleichzeitig wieder genügend Kraft für den Weiterflug zu sammeln. Außerdem dient das Watt als Aufzuchtstation für viele Fischarten wie z.B. die Scholle (Pleuronectes platessa) und die Seezunge (Solea solea). Andere bekannte Tiere des Wattenmeeres sind der Seehund (Phoca vitulina), die Strandkrabbe (Carcinus maenas) und der Austernfischer (Haematopus ostralegus).

1.Wattschnecke (Hydrobia ulvae)
2.Pfeffermuschel (Scrobicularia plana)
3.Kotpillenwurm (Heteromastus filiformis)
4.Tellmuschel (Macoma baltica)
5.Schlickkrebs (Corophium volutator)
6.Herzmuschel (Cerastoderma edule)
7.Pierwurm (Arenicola marina)
8.Seeringelwurm (Nereis diversicolor)
9.Bäumchen-Röhrenwurm (Lanice conchilega)
10.Sandklaffmuschel (Mya arenaria)
11.Miesmuschel (Mytilus edulis)
12.Gemeine Strandschnecke (Littorina littorea)


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